Von der anfänglichen Euphorie bis hin zu zahlreichen Problemen
Mit dem Traum, einen ICE ins Ausland fahren zu können, stiegen auch die Erwartungen. Insbesondere an den Einsatz nach Frankreich waren die Erwartungen hoch, von Frankfurt bis nach Paris fahren zu können. Die DB brauchte allerdings lange Zeit für ein Marketingkonzept für diesen Verkehr zu finden. Man bekundete zwar die Absicht, fünf zusätzliche Mehrsystemzüge für Frankreich zu bestellen, doch es kam nie zu einem Auftrag. Erst als schon klar war, dass die Fahrzeuge auf der LGV Est européenne ab 2007 verkehren sollen, wurden vorhandene Mehrsystem-Züge für Frankreich umgebaut, die heute unter den Triebzug-Nummern 4680 – 4685 geführt werden.
Der Umbau begann 2005, doch kam es beim Start der LGV zu Engpässen mit dem ICE 3MF. Der Umbau sowie die Zulassungsfahrten waren langwierig und teuer. Es kam anfangs zu Fahrzeugstörungen. So musste ein Ersatzverkehr mit TGV-Zügen gefahren werden, was kein gutes Marketing für den Deutschen ICE war. Letztendlich konnte er sich im täglichen Betrieb nicht pünktlich behaupten, die ICE 3 MF erreichten trotz einer gefahrenen Geschwindigkeit von 320 km/h Paris oft unpünktlich.
Erst einige Zeit später bemerkte man, dass man der französischen Offensivstrategie entgegen treten müsse, indem man 30 international einsetzbare ICE-Züge beschaffen wolle. Ausgeschrieben wurden 2007 letztendlich bis zu 15 Viersystem-Züge auf Basis des ICE 3, die Baureihe 407 war somit geboren. Seitdem der 407 seit 2016 nach Frankreich verkehren kann, wurden die ICE 3 MF mit ihrer Frankreich-Ausstattung mit ETCS ausgestattet, um weiterhin in die Niederlande und Belgien fahren zu können. Durch den Umbau verlor er die Zulassung für Frankreich.
Weitere Einsätze nach London, Schweiz und Österreich
Mit dem ICE nach London, als direkter Konkurrent zum Eurostar, war damals das Ziel. Im Oktober 2010 wurden dafür Evakuierungsübungen im Eurotunnel mit dem 406 unternommen, eine Präsentation des ICE 3 in London war am 19. Oktober 2010. Doch letztendlich wurde für dieses Vorhaben erst der neue 407 in Betracht gezogen, der Einsatz für den 406 nach London war ein einmaliger Einsatz.
Ende 1999 gab es mehrere Messfahrten mit 406 nach Österreich statt. Die Zulassung für Österreich sollte im Jahr 2000 erfolgen. Jedoch war auch der Einsatz des 403 nach Österreich angedacht. Beide Vorhaben sind jedoch nicht weiter verfolgt worden.
Für den Einsatz in der Schweiz waren ebenso separate Zulassungen erforderlich. Anfang 2000 und 2001 unternahm man einige Tests mit einem Mehrsystem-ICE, so wurde auf der Gotthard-Südrampe beispielsweise das Befahren von engen Bögen untersucht. Die Schweizer waren zufrieden und der Zug bekam seine Zulassung für die SBB. Diese wurde allerdings nie genutzt aus verschiedenen Gründen.