ICE 3neo - Wagentechnische Ausstattung

    Klimaanlage
    Auf dem Dach jedes Wagens ist an einem Wagenende eine kompakte Klimaanlage installiert. Die Anlage besteht aus einem Luftbehandlungsteil mit Verdampfer und elektrischem Heizregister, einem Verdichter-/Verflüssigersatz mit Hubkolbenverdichter sowie einer integrierten Schalttafel mit Klimasteuerung und Leistungskomponenten. Zur separaten Klimatisierung der Führerräume ist in beiden Endwagen zusätzlich ein Decken-Kompaktklimagerät vorgesehen.

    Die Frischluftansaugung erfolgt je Anlage über eine eigene Außenluftöffnung mit integriertem Druckschutzventil. Die aufbereitete Zuluft wird über Deckenkanäle in den Fahrgastraum geführt. Im Kühlbetrieb erfolgt die Luftverteilung überwiegend über Lochdecken (ca. 80 %) sowie ergänzend über Bodenauslässe und Fensterunterströmer. Im Heizbetrieb wird die erwärmte Luft vollständig über Bodenauslässe und Fensterkanäle eingebracht, um eine effektive Kaltluftabschirmung zu gewährleisten. In Einstiegs- und Übergangsbereichen kommen eigenbelüftete Umluftheizer zum Einsatz. Diese sichern bei niedrigen Außentemperaturen die Temperierung der Vorräume und verhindern Eisbildung im Bereich der Trittstufen.

    Die angesaugte Frischluft wird mit Umluft gemischt, thermisch behandelt und als konditionierte Zuluft in den Innenraum eingebracht. Die Fortluft wird über ein unterflur angeordnetes Fortluftgerät über Bodenkanäle nach außen abgeführt. Bei Anlagen mit Propan als Kältemittel ist sichergestellt, dass im Störungsfall kein Gas in den Innenraum gelangen kann. Ein möglicher Austritt wird gezielt nach außen abgeführt und dort sicher verdünnt.

    Druckschutzsystem
    Zur Minimierung von Druckstößen bei Tunnel- oder Begegnungsfahrten ist ein aktives Druckschutzsystem in die Klimaanlage integriert. Eine Druckauswerteeinheit erfasst dynamische Druckänderungen und schließt bei Erreichen definierter Grenzwerte automatisch die Druckschutzventile der Klimageräte und Fortluftanlagen. Dadurch werden Frischluftzufuhr und Fortluftabgabe temporär unterbunden, sodass Fahrgast- und Führerräume gegen Druckwellen abgeschottet sind.

    Einsteigetüren und Trittstufen
    Jeder Einstiegsbereich ist mit einer einflügeligen, elektrisch angetriebenen, druckdichten Schwenkschiebetür ausgestattet. Die Antriebskomponenten sind im Türportal integriert, die Türführung befindet sich im Deckenbereich. Jede Tür verfügt über eine eigene Türsteuerung, wobei die Steuerungen eines Wagenendes im Master-/Slave-Verbund arbeiten. Die Master-Steuerung ist an den Wagenbus (MVB) angebunden. Der elektrische Türantrieb betätigt gleichzeitig über Gelenkwellen die mechanischen Verriegelungen. Eine 110-V-Türschleife überwacht den geschlossenen und verriegelten Zustand von Türen, Trittstufen und – im MW 04 – der Hublifte. In den Wagen mit vier Türen sind zwei unabhängige Türschleifen vorhanden. Endschalter von Tür, Trittstufe und Hublift sind seriell verschaltet und bilden das Signal „geschlossen und verriegelt“. Der Zustand wird durch ein Sicherheitsmodul eingelesen und überwacht.

    Die Trittstufen verfügen über Endlagensensoren. Eine Türfreigabe erfolgt erst nach vollständig ausgefahrener Trittstufe. Abweichungen werden durch die Steuerung erkannt und diagnostisch gemeldet.

    Hublift
    Im Mittelwagen 04 ist an jeder Einsteigetür ein hydraulischer Hublift integriert, der den barrierefreien Einstieg ermöglicht. Die Anforderung erfolgt über einen außenliegenden Ruftaster, die Bedienung durch das Zugpersonal. Der Hublift ist vom Bahnsteig sowie vom Einstiegsraum aus steuerbar. Ein nicht vollständig verstauter Hublift führt zu einer Türblockierung und zu einer Traktionssperre. Bei Ausfall der elektrischen oder hydraulischen Versorgung kann der Lift manuell abgesenkt werden. Über eine Handpumpe innerhalb der Türholmverkleidung ist im Störfall auch das Anheben in die Stauposition möglich.

    Notausstiegsfenster
    Die Notausstiegsfenster sind durch einen roten Markierungspunkt gekennzeichnet. Im Evakuierungsfall können Innen- und Außenscheibe mittels Nothammer eingeschlagen und das Fenster nach außen herausgedrückt werden.

    Fahrgastinformationssystem und Betreibersysteme
    Bei der Baureihe 408 ist ein separates Betreibernetzwerk implementiert. Dieses übernimmt die Funktionen des optischen Fahrgastinformationssystems (FIS). Das Beschallungssystem mit elektrischer Lautsprecheranlage (ELA) ist hingegen in einem eigenständigen Herstellernetzwerk integriert. Diese Trennung erhöht die Systemsicherheit und ermöglicht eine klare funktionale Abgrenzung.

    Kommunikation im Triebzug
    In jedem Wagen sind feste Sprechstellen installiert, im MW 04 zusätzlich im Zugbegleiterabteil. Für die Kommunikation mit externen Stellen wird das Zugfunk-Fahrzeuggerät genutzt. Ergänzend stehen mobile DECT-Endgeräte zur Verfügung. Durchsagen und Funkkommunikation erfolgen über den UIC-Bus. Die Verbindung zwischen festen Sprechstellen und Notrufeinrichtungen ist über Ethernet realisiert, das im Rückfallbetrieb ebenfalls für Durchsagen genutzt werden kann. Im Brandfall trennt die auslösende Brandmeldelinie die betroffenen Komponenten über eine UIC-Firebox vom restlichen UIC-Bus. Dadurch bleiben nicht betroffene Fahrzeugbereiche kommunikationsfähig. Durchsagen in den betroffenen Wagen sind über eine separate PAL-Leitung weiterhin möglich, sofern keine direkte Brandschädigung vorliegt.

    Sanitäre Einrichtungen
    Der Triebzug verfügt über zehn Standardnasszellen und eine rollstuhlgerechte Universalnasszelle. Je zwei Standardnasszellen sind in ausgewählten Wagen als Doppelnasszelle ausgeführt. Die Universalnasszelle befindet sich im MW 04. Die Endwagen EW 01 und EW 08 sind ohne WC ausgestattet. Ein WC im SW 03 ist ausschließlich für Mitarbeiter vorgesehen.

    Innentüren
    Die Innentüren sind funktional differenziert in manuelle Türen (z. B. Führerraum, Technikraum, WC), automatische Innentüren im Fahrgastbereich sowie manuelle und automatische Brandschutz-Übergangstüren. Automatische Innentüren werden über Infrarot-Bewegungssensoren gesteuert und schließen zeitverzögert selbsttätig. Notschalter im Deckenbereich ermöglichen dem Bordpersonal eine Deaktivierung. Manuelle Übergangstüren werden elektromagnetisch offen gehalten und schließen bei Brandalarm durch Federkraft. Automatische Übergangstüren schalten im Brandfall den Antrieb ab und schließen ebenfalls selbsttätig.

    Innenbeleuchtung
    Die Innenbeleuchtung ist vollständig in LED-Technologie ausgeführt. Sie besteht aus Hauptbeleuchtung mit optional tageszeitabhängiger Ambientefunktion sowie einer eigenständigen Notbeleuchtung. Im Fahrgastraum sorgt eine integrierte Ambientebeleuchtung für eine adaptive, komfortorientierte Lichtatmosphäre.