ICE 3neo - Druckluftversorgung

    Die Druckluftanlage stellt die Versorgung aller pneumatischen Verbraucher des Triebzugs sicher. Sie gliedert sich in:

    • die Hauptlufterzeugung zur Speisung der Hauptluftbehälterleitung (HBL)
    • die Hilfslufterzeugung zum Aufrüsten des Triebzugs bei nicht verfügbarer Hauptluftversorgung

    Während die Hauptlufterzeugung den regulären Betriebsdruck für alle Verbraucher bereitstellt, ermöglicht die Hilfslufterzeugung das Heben der Stromabnehmer sowie das Schalten von Haupt- und Trennschaltern, wenn der Triebzug spannungslos und die Hauptluftanlage außer Betrieb ist. Zur Erzeugung der Druckluft sind zwei Kolbenkompressoren des Typs VV180-T installiert. Diese versorgen die Hauptluftbehälterleitung mit dem erforderlichen Betriebsdruck.

    Nach den Luftpressern sind folgende Komponenten in Reihe geschaltet:

    • Sicherheitsventil mit Ansprechdruck 12 bar (Überdruckschutz der Gesamtanlage)
    • Rückschlagventil
    • Zweikammer-Lufttrocknungsanlage
    • Sicherheitsventil mit Ansprechdruck 10,5 bar (Schutz des nachgeschalteten Druckbereichs)

    Der Regelarbeitsbereich der Anlage liegt zwischen 8,5 bar und 10 bar. Die Lufttrocknungsanlage und die Kompressoren sind als kompaktes Modul ausgeführt und unterflur hinter Seitenklappen in den Mittelwagen MW 04 und MW 05 installiert.

    In MW 04 und MW 05 befinden sich jeweils 4 Vorratsluftbehälter à 60 Liter.  Diese speisen über die Hauptluftbehälterleitung sämtliche Druckluftverbraucher des Triebzugs.

    Für Großverbraucher sind separate Vorratsbehälter vorgesehen:

    • 4 × Wirbelstrombremse mit je 100 l
    • Vorratsbehälter Stromabnehmer/Trennschalter (Hilfsluftsystem) mit 25 l
    • 2 × Scheibenwischer mit je 25 l
    • WC-Anlagen mit je 3 × 100 l in MW 04 und MW 05
    • Reservebehälter pneumatisches Bremssystem: 100 l pro Wagen

    Die Behälter sind entweder in Bremscontainern oder in separaten Behältergerüsten integriert.

    Schleppbetrieb ohne HBL-Versorgung
    Bei Schleppfahrt mit einer Lokomotive ohne HBL-Versorgung kann die Hauptluftbehälterleitung über einen Absperrhahn aus der Hauptluftleitung (HL) gespeist werden. Ein Rückschlagventil verhindert dabei eine Rückspeisung von der HBL in die HL.

    Hilfslufterzeugung
    Die Hilfsluftanlage dient dem Aufrüsten des Triebzugs bei fehlender Hauptluftversorgung, insbesondere zum Heben der Stromabnehmer und Schalten der Dachleitungstrenner. Hierfür sind zwei elektrisch betriebene Hilfsluftpresser (110 V DC) installiert, untergebracht in den Bremscontainern der MW 04 und MW 05. Die erzeugte Druckluft durchläuft Sicherheitsventil mit 9 bar Ansprechdruck, Rückschlagventil und gelangt in den Vorratsbehälter „SA/Trennschalter“ (25 l). Von dort erfolgt die Weiterleitung über Druckminderventil (5 bar Einstellwert) und über den Absperrhahn „Stromabnehmer“.  Anschließend wird die Druckluft verteilt, lokal zu den Stromabnehmern in MW 04 und MW 05 und über Kuppelstellen und Leitungen zu den Stromabnehmern in TW 02 und TW 07. 

    Das lokale Bremssteuergerät (BSG) aktiviert den Hilfsluftpresser automatisch, wenn der Druck im Hilfsluftsystem unter 6,5 bar fällt:

    • einmalig nach dem Einschalten der Batterie
    • oder beim Betätigen des Tasters „Stromabnehmer heben“

    Damit ist ein autonomes Aufrüsten auch bei vollständig entleerter Hauptluftanlage möglich.

    Sandstreueinrichtung
    Die Sandstreuanlage ist als Zellenraddosiersystem mit geschwindigkeitsabhängiger Fördermengenregelung ausgeführt. Sie befindet sich in den angetriebenen End- und Stromrichterwagen und besteht aus je 4 Sandstreurohre pro Wagen (2 je Fahrtrichtung). Pro Drehgestell ist ein Vorratsbehälter zur Versorgung der 2 Sandstreurohre vorhanden. Die Zugsteuerung (ZSG) aktiviert abhängig von der gewählten Fahrtrichtung über die SIBAS-KLIP-Stationen die entsprechenden Magnetventile. Die Aktivierung erfolgt durch den Triebfahrzeugführer über den Kipptaster Sanden im Führerpult oder den Kipptastschalter Stromabnehmer in die Stellung "Nieder und Sanden". Die Dosierung erfolgt proportional zur Geschwindigkeit, um eine optimale Adhäsionsverbesserung bei minimalem Sandverbrauch sicherzustellen.